Mythen und Irrtümer zum Thema Trinken

Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchweh bekommen…

Mythos 1: Trink kein Wasser zu frischem Obst!
Dies war zu Omas Zeiten eine bekannte Weisheit: Jeder kannte den Abzählreim
„Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchweh bekommen…“ Aber worauf beruht
dieser Mythos? Obst direkt vom Baum oder Strauch gegessen in Kombination mit
Trinkwasser in schlechter hygienischer Qualität waren möglicherweise Auslöser solcher
Beobachtungen. Grundlage ist die Annahme, dass die auf der Schale von süßem Obst
sitzenden Bakterien und Hefepilze zusammen mit zusätzlichen Mikroorganismen aus dem
Trinkwasser im Magen einen Gärungsprozess auslösen, der Blähungen und
Bauchschmerzen verursacht. Das klingt plausibel, ist heute aber nicht mehr zutreffend.
Diplom-Ökotrophologin Anke Oepping vom Institut für Ernährung, Konsum und
Gesundheit an der Universität Paderborn erklärt: „Die Magensäure hat einen sehr
niedrigen ph-Wert – auch verdünnt mit Wasser ist sie noch so sauer, dass sie
Mikroorganismen und Hefen vernichtet.“ Diese Warnung ist also wirklich von gestern.
Heute gilt: Obst und Wasser sind gesund – auch wenn man sie zusammen verzehrt.

Mythos 2: Zum Essen wird nichts getrunken!
Hier liegt die Annahme zugrunde, dass Wasser die Magensäfte verdünnt und so die
Verdauung behindert. Hört sich schlüssig an, ist aber ebenfalls nicht korrekt. „Dieser
Mythos stammt aus einer Zeit, in der die Kenntnisse über die Verdauungstätigkeit noch
nicht so weit fortgeschritten waren wie heute“, so Prof. Dr. med. Berthold Koletzko vom
Dr. v. Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München. Das Wasser
brachte schädliche Keime in den Verdauungsapparat, was zu Beschwerden führte und
der damals herrschenden, mangelnden Hygiene geschuldet war. Tatsächlich ist Trinken
zu den Mahlzeiten sinnvoll, gerade wenn eher trockene Lebensmittel wie Brot, Nudeln 2
und Fleisch auf den Tisch kommen. Gerade für Kinder gilt: Wasser sollte der Durstlöscher
Nummer 1 sein, da gezuckerte Getränke und Milch stärker sättigen. Abwechslung können
ungesüßte Früchtetees und Wasser mit Geschmack, geeisten Früchten oder
Zitronenscheiben bringen. Kurz vor dem Essen ist es jedoch besser, nichts zu trinken, da
sich sonst kurzfristig ein Sättigungsgefühl einstellt.

Mythos 3: Vor dem Schlafengehen ein Fläschchen „zur Beruhigung“
Für manche Kinder ist die abendliche Milchflasche ein Ritual, das sie beruhigt. Einige
Eltern glauben sogar, dass ihr Kind nur mit Fläschchen durchschlafen kann, weil es
ansonsten durstig oder hungrig aufwacht. Richtig ist: Kinder, die tagsüber ausreichend
essen und trinken, brauchen in der Nacht weder Nahrung noch Flüssigkeit. Haben sie
ausnahmsweise kurz vor dem Schlafengehen Durst, schadet Wasser nicht. Der
Milchgenuss nach dem Zähneputzen ist hingegen schlecht für die Zähne.

Mythos 4: Je mehr Wasser man trinkt, desto besser
Bei den 2- bis 9-Jährigen decken etwa fünf bis sechs Gläser Flüssigkeit à 150 ml den
täglichen Bedarf an Getränken. Wer wesentlich mehr trinkt, wird weder gesünder noch
fitter, muss aber häufiger zur Toilette. Die Ausnahme erklärt Dr. Thomas Fischbach,
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Solingen: „Der Bedarf an Flüssigkeit kann bei
sportlichen Aktivitäten oder erhöhten Außentemperaturen natürlich stark zunehmen.“

Eine Wahrheit bleibt: Ohne Wasser läuft nichts
Auch wenn sich viele Mythen als falsch erweisen – es bleibt die Gewissheit, wie wichtig
Wasser für den menschlichen Organismus ist. Gerade Kinder brauchen ausreichend
Flüssigkeit, weil sie im Verhältnis zu ihrer Körpergröße einen wesentlich höheren
Flüssigkeitsbedarf als Erwachsene haben. Dennoch zeigen bundesweite Erhebungen,
dass jüngere Kinder weniger als empfohlen trinken.1 Deshalb ist es wichtig, dass Eltern
bei der Trinkerziehung mit gutem Beispiel vorangehen und sich nicht von falschen
Annahmen beirren lassen.
Damit Eltern sich über ein gesundes Trinkverhalten im Kindesalter informieren können,
wurde die Broschüre „So wird Wassertrinken zum Kinderspiel!“ erstellt. Sie enthält
zahlreiche Informationen und Tipps für den Alltag. Die Broschüre wird von der Stiftung
Kindergesundheit mit Unterstützung von Danone Waters Deutschland herausgegeben.

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